Xerostomie – Was ist das?

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Schon über einen längeren Zeitraum haben Sie mit einem trockenen Mund zu kämpfen? Ihre Zunge klebt unangenehm am Gaumen und Ihre Lippen sind rissig? Nach dem Besuch beim HNO- oder Zahnarzt haben Sie endlich den Grund für Ihre Beschwerden: Xerostomie. Aber was bedeutet das jetzt?

Haben Sie keine Angst vor Fachbegriffen! Xerostomie bedeutet in Fachkreisen lediglich die subjektive Wahrnehmung einer trockenen Mundhöhle. Durch eine Dehydration der Schleimhäute und den geringen Speichel kommt es unter anderem zu Problemen beim Sprechen und Schlucken. Trockene Nahrung ist sehr problematisch zu essen und die Betroffenen leiden auch des öfteren unter Mundgeruch. Kann der Arzt einen objektiv messbaren geringen Speichelfluss von weniger als 0,1 Milliliter pro Minute feststellen nennt sich das Hyposalivation. Der Unterschied zwischen einer Hyposalivation und Xerostomie ist somit ein ganz simpler: Im Gegensatz zur Hyposalivation ist es bei der Xerostomie möglich, dass trotz ausreichend produzierten Speichel, trockene Bereiche in der Mundhöhle das Gefühl eines trockenen Mundes auslösen.

Es steht also fest: Ohne Speichel haben wir einen trockenen Mund und im schlimmsten Fall deswegen Beschwerden. Aber wie wird der Speichel überhaupt produziert und was macht ihn so wichtig für unsere Mundflora?

Speichel als Wundermittel

© petra vymazalova / ESSH

Es gibt in unserem Mund drei Paare an großen Speicheldrüsen (Ohrspeicheldrüse, Unterkiefer- und Zungenspeicheldrüse), die den an Verdauungsenzymen reichen Speichel produzieren. Dieser unterstützt bereits in der Mundhöhle bei der Verdauung. Der schleimige und dickflüsige Speichel, der uns beim Kauen und Schlucken hilft, wird von vielen kleineren Speicheldrüsen im Mund geliefert. Mit diesen zahlreichen Drüsen produziert der Mensch zwischen 1-1,5 Liter Speichel am Tag. 70-75 % davon stammen aus der Unterkieferspeicheldrüse. Die Zusammensetzung des Speichels aus Wasser, Eiweißen, Elektrolyten und verschiedenen keimabtötenden Bakterien ist ein echtes Wundermittel und unterstützt den Körper bei der Mundhygiene. Ein kontinuierlicher Speichelfluss spült übrig gebliebene Essensreste weg und schützt so vor Wundinfektionen und Karies. Dadurch wird verhindert, dass sich Bakterien in der Mundhöhle bilden und ein stabiler pH-Wert von ca. 6 vorhanden ist. Wenn Sie unter Mundtrockenheit leiden und ihr Körper nicht die benötigte Menge an Speichel produziert, sollten Sie sich bei Ihrem Arzt über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Denn nicht nur Ihre Lebensqualität leidet dadurch unter einer schlechten Mundflora und Mundgeruch, sondern auch unter Schwierigkeiten beim Essen durch Schluckbeschwerden und einer verringerten Geschmacksfunktion.

Ursachen für Xerostomie

Entwarnung: Grundsätzlich ist Xerostomie keine schwerwiegende Erkrankung! Sie kann aber als Symptom von anderen Krankheiten, wie zum Beispiel Sjögren-Syndrom, auftreten und unangenehme Folgen mit sich bringen. Mundtrockenheit kann auch eine Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten sein. Deswegen leiden häufig ältere Menschen unter Xerostomie. Ob Ihre Medikamente für ihren trockenen Mund verantwortlich sind, können sie in der Packungsbeilage ihrer Medikamente nachlesen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, dann halten Sie Rücksprache mit Ihrem Hausarzt, oft gibt es Alternativen. Setzen Sie jedoch nie Ihre Medikamente auf eigene Faust ab! Ein trockener Mund tritt auch häufig im Rahmen einer Strahlentherapie auf. Wenn bei dem betroffenen Patienten die Bestrahlung im Hals- und Rachenbereich durchgeführt wird, kann es in Abhängigkeit der Strahlendosis zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Schädigung der Kopfspeicheldrüsen kommen. Auch Frauen haben des öfteren mit trockenen Schleimhäuten zu kämpfen. Dafür kann es verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel schnarchen 35 % der Frauen in der Schwangerschaft vermehrt, wodurch nachts die Schleimhäute austrocknen (WeitereUrsachen für Mundtrockenheit bei Frauen können Sie hier nachlesen). Auch der Satz “Da bleibt mir die Spucke weg!” kommt nicht irgendwoher: In Situationen, in denen wir Angst, Aufregung und Stress empfinden, hemmt unser Nervensystem die Speichelproduktion und wir bekommen einen trockenen Mund. Noch weitere Ursachen für trockene Schleimhäute und einen kratzigen Hals, können Ihre Gewohnheiten sein, wie Rauchen, Alkohol oder Kaffee trinken. Xerostomie wird also oft von äußeren Umständen beeinflusst.

Behandlung von Xerostomie

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Wenn Sie an Mundtrockenheit leiden, die Ihren Alltag und Ihre Lebensqualität beeinflusst, gibt es einige hilfreiche Tipps und Mittel, die Ihnen helfen mit Xerostomie umzugehen. Wichtig ist vor allem, dass im ersten Schritt geklärt wird, welche Ursachen Ihre Beschwerden hervorrufen. Um die Symptomatik dann ideal zu behandeln, können Sie einige Hinweise beachten.

Eine gute Vorsorge ist in jedem Fall unerlässlich! Verzichten Sie auf zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke und klebrige und breiige Speisen. Da Ihr Speichel Sie bei Ihrer täglichen Mundhygiene nicht unterstützen kann, müssen sie besonders darauf achten täglich mehrmals Zähne zu putzen und Mundspülung zu verwenden. Natürlich gibt es auch Möglichkeiten Ihren Speichelfluss anzuregen. Es gibt Speichelerstazprodukte oder Hafttabletten, die den Speichelfluss anregen. Außerdem können Sie durch Kaugummi kauen und über regelmäßiges Trinken Ihre Schleimhäute feucht halten. Hausmittel, wie Kamillentee oder Speiseöl, befeuchten zudem nicht nur Ihren Mund, sondern wirken zusätzlich entzündungshemmend. Es ist auch nachgewiesen, dass alternative Behandlungsformen Beschwerden lindern können. Akupunktur wirkt auf das vegetative Nervensystem, das zuständig ist für die Steuerung der inneren Organe und des Blutkreislaufes. Durch die kleine Nadeln an bestimmten Punkten wird die Produktion des Speichels angeregt, wodurch die Trockenheit im Mund gelindert wird. Wenn Sie vielleicht Angst vor Nadeln haben, können Sie auch erstmal die Luftfeuchtigkeit in ihrem Schlafzimmer mit einem Luftbefeuchter erhöhen. Beschwerden, wie Trockene Schleimhäute und Augen, werden dadurch vorgebeugt. Wenn nichts von diesen Behandlungsmöglichkeiten hilft, gibt es noch die Möglichkeit auf Medikamente zurückzugreifen. Zum Beispiel Pilocarpin regen das Nervensystem an, sodass dieses denkt, es müsse mehr Speichel produzieren. Bei dieser Behandlung sollten Sie sich aber auf jeden Fall von ihrem Arzt über die Nebenwirkungen aufklären lassen. Die Einnahme von Pilocarpin geht oft mit verstärktem Harndrang, Schwindel oder Herzklopfen einher.


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