Ursachen für Mundtrockenheit

362

Klar – wenn der Mund zu wenig Speichel produziert, werden die Schleimhäute trocken. Aber woran kann es liegen, dass überhaupt zu wenig produziert wird? Die möglichen Ursachen für Mundtrockenheit (Xerostomie) reichen von Stress über Schnarchen bis hin zu ernsthaften Krankheiten.

Zu wenig getrunken?

© angelina amodeo / ESSH

Der Körper reguliert seine Wasserbilanz über die Ein- und Ausfuhr. Wenn man nicht genug trinkt, versucht er, entsprechend weniger Flüssigkeit abzugeben, um mehr für die wichtigen Körperfunktionen aufzusparen. Da auf den Speichel zunächst verzichtet werden kann, produzieren die Speicheldrüsen weniger Flüssigkeit

Der häufigste Grund für den Flüssigkeitsmangel ist simpel: Zu wenig gegessen, zu wenig getrunken. Erhöhter Wasserverlust durch Schwitzen oder Durchfall führt ebenfalls zu einer negativen Wasserbilanz. Auch das Alter spielt eine Rolle: In der Regel nimmt die Speichelproduktion im Laufe des Lebens ab. Ältere Menschen trinken und essen zudem oft weniger als junge Menschen. Dadurch sinkt die Flüssigkeitszufuhr. Ein Defizit im Wasserhaushalt des Körpers zählt zu den häufigsten Ursachen für Mundtrockenheit.

Mundatmen und Schnarchen

© ajr_images / fotolia

Wenn permanent ein Luftstrom an den Schleimhäuten vorbeizieht, trocknen diese aus – obwohl die Drüsen genug Speichel produzieren. Diesen Effekt bemerken Menschen, die häufig durch den Mund atmen. Gerade Schnarcher schlafen oft mit offenem Mund, da das bei der Atmung den geringsten Widerstand bietet. Da im Schlaf gleichzeitig die natürliche Speichelproduktion verringert ist, trocknen die Schleimhäute noch leichter aus, sodass die Schnarcher nicht selten mit trockenem Mund aufwachen. Wenn die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer zu niedrig ist, verstärkt das den austrocknenden Effekt zusätzlich.

Schnupfen, Erkältung, Grippe

Bei einer Erkältung oder einer fiebrigen Infektion klagen manche Patienten über stärkere Mundtrockenheit. Bei viralen Infekten der oberen Atemwege sind meist die Nasenschleimhäute geschwollen und die Nase verstopft. Die Nasenatmung fällt dann schwerer, gerade im Schlaf wird also durch den Mund geatmet – und das begünstigt, wie auch bei Schnarchern, das Austrocknen der Schleimhäute. Auch Durchfall und Erbrechen, etwa bei der klassischen Magen-Darm-Grippe, lassen den Körper viel Flüssigkeit verlieren und sorgen so unter anderem für Mundtrockenheit.

Stress und trockener Mund

Nicht nur körperliche Probleme sind Ursachen für Mundtrockenheit, auch die Psyche spielt oft eine entscheidende Rolle. Anspannung und Nervosität können zu einem trockenen Mund führen, etwa bei einer wichtigen Präsentation oder wenn Sie über einen längeren Zeitraum unter Stress stehen. Der Grund ist unser autonomes Nervensystem, das sich aus zwei großen Bestandteilen zusammensetzt. Das “Stress-System” (der sogenannte Sympathikus) steht mit seinem Gegenspieler, dem Entspannungs-System Parasympathikus, normalerweise in einem ausgewogenen Verhältnis. Bei körperlichem und psychischem Stress sorgt der Sympathikus dafür, dass der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird, lässt Herzfrequenz und Muskeltonus steigen und fährt gleichzeitig entbehrliche Körperfunktionen wie die Speichelproduktion herunter. So entsteht die akute Mundtrockenheit bei belastenden Situationen. Steht man permanent unter Druck, ist der Sympathikus ständig stärker aktiv, sodass die Mundtrockenheit andauernd auftritt. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Panikstörungen ist dieser Mechanismus bekannt.

Trockener Mund durch Medikamente

© leonardo franko / fotolia

Sie haben Bluthochdruck? Allergien? Depressionen? Diese Krankheiten sind keine Ursachen für Ihre Mundtrockenheit – vielleicht aber die Medikamente, die Sie dagegen einnehmen. Manche Mittel gegen Bluthochdruck steigern die Harnproduktion der Niere, die über den Wasserverlust den Blutdruck reguliert. Durch diesen Wasserverlust kann es zu Mundtrockenheit kommen.
Andere Arzneimittel, wie bestimmte Antidepressiva und Psychopharmaka oder auch Antihistaminika (gegen Allergien), beeinflussen direkt das Regulationssystem der Speicheldrüsen. Sie hemmen über bestimmte Rezeptoren die Speichelproduktion oder verhindern, dass die Herstellung des Speichels angekurbelt wird. Auch bei den Mitteln, die bei einer Chemotherapie für Krebspatienten zum Einsatz kommen, findet sich in der langen Liste der Nebenwirkungen häufig die Mundtrockenheit.

Kognak, Kippen, Kaffee: Genussmittel als Ursachen für Mundtrockenheit

Wie bei so vielen medizinischen Beschwerden sind auch bei der Mundtrockenheit die Raucher häufiger betroffen. Zwar wird die Speichelproduktion hier nicht direkt gestört, aber der Tabakrauch sorgt dafür, dass sich die winzigen Blutgefäße in der Mundschleimhaut verengen. Dadurch wird die Schleimhaut schlechter durchblutet und trocknet so von innen aus. Eine einzelne Zigarette hat diese Wirkung nur vorübergehend, aber bei langjährigen starken Rauchern haben sich die Gefäße an das Nikotin gewöhnt und sind chronisch eng gestellt. Diese Menschen haben dann ständig trockene Schleimhäute.

Auch Kaffee kann zur Mundtrockenheit beitragen – obwohl er ja eigentlich eine Flüssigkeit ist. Die Inhaltsstoffe des Kaffees regen jedoch die Nieren an, vermehrt Wasser auszuscheiden. Ähnlich verhält es sich mit alkoholischen Getränken, die dem Körper ebenfalls Flüssigkeit entziehen.

Mundtrockenheit wird auch bei Konsumenten bestimmter Drogen beobachtet. Cannabisprodukte mit dem Wirkstoff THC oder Amphetamine bewirken eine Verminderung der Speichelproduktion.

Mundtrockenheit als Symptom einer Erkrankung

© petra vymazalova / ESSH

In manchen seltenen Fällen ist die Mundtrockenheit kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung. Hier liegt das Problem meist direkt bei den Speicheldrüsen.

  • Die Speicheldrüsen können sich – so gut wie jedes andere Organ auch – entzünden. Hierfür sind meist Viren (wie zum Beispiel bei der Kinderkrankheit Mumps) oder Bakterien verantwortlich. Die Entzündung stört die Drüsenzellen bei ihrer eigentlichen Aufgabe. Zudem kommt es dabei oft zur Verlegung der Drüsengänge, sodass der Speichel nicht richtig abfließt. Dies macht sich meist in einer Schwellung der Drüse bemerkbar.
  • Sehr selten kommen auch Geschwüre (sprich Tumore) der Speicheldrüsen vor. Diese sind häufig gutartig, können aber auch bösartig sein. Durch die Wucherung kommt es zur Verlegung einiger Drüsengänge. Außerdem sind die Tumorzellen häufig gar nicht mehr in der Lage, Speichel zu produzieren, weil ihre DNA mutiert ist
  • Wenn die Zusammensetzung des Speichels fehlerhaft ist, können sich die Bestandteile zu Speichelsteinen verklumpen können. Liegt dieser in einem Ausführungsgang, kommt der Speichel nicht mehr aus der Drüse hinaus. Dann kann sich die betroffene Speicheldrüse entzünden. Meist ist jedoch nur eine Drüse betroffen, sodass die anderen deren Funktion übernehmen können und es zu keiner Mundtrockenheit kommt.
  • Das Sjögren-Syndrom gehört zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Dabei bilden die Abwehrzellen des Körpers Antikörper gegen körpereigenes Gewebe, sodass sich der Körper selbst angreift. Das Sjögren-Syndrom richtet sich vor allem gegen Speichel- und Tränendrüsen, die sich dann entzünden und nicht mehr richtig arbeiten. Deshalb kommt es bei dieser Krankheit oft zur sogenannten Sicca-Symptomatik – das gleichzeitige Auftreten von Mundtrockenheit und trockenen Augen.
  • Das Heerfordt-Syndrom beschreibt ebenfalls eine chronische Entzündung der Speicheldrüse, meist der Ohrspeicheldrüse. Die typischen Symptome sind eine Schwellung der Ohrspeicheldrüse, Fieber, Entzündung der Regenbogenhaut des Auges und einer Lähmung der mimischen Muskulatur. Diese Erkrankung tritt vor allem im Zusammenhang mit der Bindegewebserkrankung Sarkoidose auf.

Im Allgemeinen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie die Beschwerden durch die Mundtrockenheit stark stören. Außerdem können folgende Symptome der Mundtrockenheit unter Umständen ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung sein, wenn sie zusammen mit Mundtrockenheit auftreten:

  • trockene Augen
  • Unfähigkeit zu weinen
  • Sehstörungen
  • Juckreiz
  • länger anhaltende Heiserkeit
  • häufig wiederkehrende Mund- oder Atemwegsinfektionen
  • starke Schwellung der Speicheldrüse


Literatur

Für den detaillierten Literaturnachweis zu diesem Text sehen Sie sich bitte unsere Bibliographie an.

HINTERLASSEN SIE EIN KOMMENTAR

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.