Mundtrockenheit bei Frauen – Häufige Ursachen

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46 % der deutschen Frauen haben mit einem zu trockenem Mund zu kämpfen. Ein verstärktes Durstgefühl, eine gerötete und schmerzempfindliche Mundschleimhaut und Mundgeruch sind nur einige der Probleme mit denen sie sich konfrontiert sehen. Aber warum sind vor allem Frauen von einer Mundtrockenheit betroffen?

Durchschnittlich 700 ml Speichel am Tag halten unsere Mundschleimhäute feucht und verhelfen uns dazu ohne Probleme beim Bäcker ein Brötchen zu bestellen und dieses dann auch genussvoll zu essen. Speichel ist aber nicht nur ein natürliches und nützliches Schmiermittel, sondern unterstützt unseren Mund auch dabei Bakterien abzutöten. Aber wenn zu wenig Speichel produziert wird, dann werden alltägliche Ereignisse erschwert und es kommt zu gesundheitlichen Problemen. Vor allem Frauen leiden unter einer trockenen Mundschleimhaut, trockenen Lippen oder einer belegten Zunge. Für diese Mundtrockenheit, oder in Fachkreisen auch als Xerostomie bekannt, gibt es verschiedene Ursachen.

Sjögren-Syndrom als Ursache

Vor allem Frauen mittleren Alters bekommen diese Diagnose aufgrund von Mundtrockenheitsbeschwerden gestellt: Sjögren-Syndrom. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der betroffene Patientinnen unter der typischen Sicca-Symptomatik leiden. Darunter versteht man eine extreme und entzündliche Augen- und Mundtrockenheit. Die Trockenheit der Schleimhäute beruht darauf, dass sich bei dieser Krankheit das Immunsystem versehentlich gegen den eigenen Körper richtet, indem Abwehrzellen in das Drüsengewebe eindringen und dort Antiköprer bilden. Diese Fehlreaktion löst aus, dass sich die exokrinen Drüsen, also Speichel- und Tränendrüsen, entzünden und nicht mehr richtig arbeiten, oder ganz zerstört werden. Bei Frauen mit Kinderwunsch und diagnostizierten Sjögren-Syndrom ist folgendes zu beachten: Lassen Sie sich auf jeden Fall von Ihrem Arzt untersuchen und über die Risiken aufklären. Die Autoimmunerkrankung kann nämlich zu Beeinträchtigungen des Ungeborenen führen, wie zum Beispiel Herzschädigungen.

Mundtrockenheit während der Schwangerschaft

© fizkes / fotolia

Sie sind schwanger – keine Panik! Die Schwangerschaft an sich ist erstmal kein Auslöser für eine zu trockene Mundschleimhaut, aber Sie sollten Begleitsymptome als Übeltäter im Auge behalten.

Dehydration

50-85% der Schwangeren leiden zu Beginn ihrer Schwangerschaft an einer starken Morgenübelkeit. Die damit verbundene Dehydration kann ein trockenes Gefühl im Mund auslösen. Auch die durch die Schwangerschaft gesteigerte Nierentätigkeit führt dazu, dass mehr Mineralien als üblich ausgestoßen werden und ein Durstgefühl mit trockenen Schleimhäuten als Mangelerscheinungen auftritt. Sie sollten in diesem Fall mehr trinken.

Schwangerschaftsschnupfen

Seit Beginn Ihrer Schwangerschaft haben Sie mit einer verstopften Nase zu kämpfen? Zwischen 20 und 30 aller schwangeren Frauen leiden an Schwangerschaftsschnupfen, auch Schwangerschaftsrhinitis genannt. Typische Anzeichen dafür sind geschwollene Schleimhäute und vermehrte Sekretion ohne nachvollziehbaren Hinweis auf eine Entzündung, Infektion oder Allergie. Durch den erhöhten Östrogenspiegel während der Schwangerschaft, wird die Durchblutung der Schwangeren gesteigert. Dadurch wird mehr Sekret in den Schleimhäuten produziert als üblich. Als Ausgleich zu den behinderten Atemwegen wird zwangsläufig vermehrt durch den Mund geatmet. Auch schnarchen dadurch 35 % der schwangeren Frauen. Folge: trockene Mundschleimhäute. Nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsschnupfen in der Regel recht schnell wieder und der trockene Mund und die trockenen Lippen vergehen. Um aber in dieser Zeit Unannehmlichkeiten vorzubeugen, gibt es einige hilfreiche Tipps gegen eine verstopfte Nase und Mundtrockenheit.

Mundtrockenheit in den Wechseljahren

© petra vymazalova / ESSH

Sie befinden sich in den Wechseljahren – Frauen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren durchlaufen während ihrer Wechseljahren Veränderungen, die den Hormonhaushalt betreffen. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um die bisherige Lebensweise zu überdenken, so können sie langfristige gesundheitliche Probleme vermeiden. Der Rückgang der Hormone Östrogen und Progesteron ist nicht nur für die typischen Symptome, wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüche, zuständig. Unsere Mundschleimhaut ist übersät mit Zellen, die Östrogen produzieren und ausstoßen. Die Schwankungen des Hormonspiegels haben somit direkten Einfluss auf die Mundschleimhaut. Die Speichelproduktion kann dadurch während der Wechseljahre abnehmen und zu einem trockenen Mund und Lippen führen. Eine Hormonersatztherapie kann die Beschwerden in den Wechseljahren lindern und hilft auch bei der dadurch entstehenden Mundtrockenheit. Bevor Sie diese Therapiemöglichkeit aber in Betracht ziehen, sollten Sie mit ihrem Arzt abklären, ob diese Behandlung für Sie in Frage kommt.

Mundtrockenheit und ihre Behandlung

Geschlechtsunabhängig gibt es sowohl Hausmittel gegen trockene Mundschleimhäute, als auch Arzneien, die die Speichelproduktion anregen. Folgen, wie Mundgeruch, eine brennende Zunge, verminderter Geschmackssinn oder Kariesbildung können dadurch verhindern werden

Hausmittel gegen Mundtrockenheit

  • über den Tag verteilt viel trinken
  • Salbeilösung, Kamillentee und Speiseöl zur Befeuchtung der Schleimhäute
  • Eiswürfel und zuckerfreies Speiseeis lindern die Beschwerden
  • zuckerfreie Bonbons & Kaugummis
  • Mundspülung
  • nachts Mundatmung verhindern
  • kein Kaffee, Alkohol oder Tabakwaren

Arzneien gegen Mundtrockenheit

  • Gel oder Sprays
  • Lutschtabletten
  • Hafttablette


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