Mittel gegen Mundtrockenheit: Wenn Allgemeinmaßnahmen nicht helfen

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Genug getrunken, das Rauchen aufgegeben – und trotzdem haben Sie ständig einen trockenen Hals und eine belegte Zunge. Also was tun gegen die Mundtrockenheit? Neben Hausmitteln haben Sie auch die Möglichkeit, den Speichel anzuregen oder zu ersetzen. Wir haben die besten Mittel gegen Mundtrockenheit (Xerostomie) für Sie zusammengestellt.

Meist hat ein trockener Mund einfache Ursachen: Zu wenig getrunken, Mundatmung, Stress oder Rauchen können das kratzige Gefühl hervorrufen – und diese Ursachen lassen sich mit simplen Tricks beheben. In manchen Fällen allerdings wird die Mundtrockenheit chronisch und lässt sich nicht mehr mit Zitronensäure und Wasser bekämpfen. Wenn Sie davon betroffen sind, gibt es verschiedenste Mittel gegen Mundtrockenheit, die Ihnen helfen können.

Speichelfluss anregen und künstlichen Speichel zuführen

Diese Produkte wirken über mehrere Mechanismen: Sie sind zum einen eine Art künstlicher Speichel und befeuchten so die Schleimhaut. Zum anderen sollen sie den natürlichen Speichelfluss anregen. Auf diese Weise bekämpfen sie das trockene Gefühl auf der Mundschleimhaut und der Zunge. Zudem sind verschiedene andere Wirkstoffe enthalten, die schädliche Bakterien in der Mundhöhle hemmen, den pH-Wert ausgleichen und somit die Mundflora konstant halten. Das wirkt Entzündungen entgegen.

Künstlicher Speichel als Mittel gegen Mundtrockenheit hat den Vorteil, dass er nur lokal an der Stelle wirkt, wo er auch wirken soll. Somit gibt es so gut wie keine Nebenwirkungen, was dagegen bei Medikamenten der Fall wäre. Zudem belegen Studien, dass der Speichelersatz die typischen Beschwerden bei Mundtrockenheit in den meisten Fällen sehr gut lindern kann.

Mundspülung und Zahnpasta

Nachts produziert der Körper weniger Speichel, daher haben viele Menschen vor allem morgens regelmäßig einen trockenen Mund. Dagegen kann man mit spezieller Mundspülung vorgehen. Die Spülungen sind auf alkoholfreier Basis hergestellt und enthalten meistens Xylitol – ein Zuckermolekül, das dafür sorgt, dass schädliche Mundbakterien wie etwa Karieserreger nicht so schnell wachsen. Außerdem können die Mundspülungen durch andere Inhaltsstoffe den Speichelfluss anregen. Sie sollten morgens und abends verwendet werden. Allerdings kann es sein, dass diese Anwendung alleine nicht ausreicht, wenn man auch tagsüber Mundtrockenheit verspürt.

In Ergänzung zu den Mundspülungen gibt es auch spezielle Zahnpasten, die mit ähnlichen Zusatzstoffen die Mundflora stabilisieren. Außerdem enthalten sie Fluoride, die dabei helfen, der Kariesentstehung vorzubeugen und den Zahnschmelz zu stärken.

Gel oder Spray gegen Mundtrockenheit

© khuntapol / fotolia

Gegen die Mundtrockenheit tagsüber gibt es verschiedene Speichelersatzprodukte. Sie bestehen hauptsächlich aus Wasser und enthalten daneben sogenannte Muzine. Dies sind Eiweißstoffe, an denen Zuckermoleküle hängen. Muzine sind auch Bestandteil des natürlichen Speichels und dienen dazu, das Wasser dickflüssiger zu machen. Dadurch kann der künstliche Speichelersatz die Funktion des natürlichen Speichels gut imitieren und bleibt länger feucht auf der Schleimhaut. Zudem enthalten auch diese Produkte Xylitol sowie andere Stoffe, die den pH-Wert neutralisieren und die Mundflora stabilisieren. Ein weiterer Zusatzstoff ist Ascorbinsäure (Vitamin C), das die Speichelproduktion ankurbelt.

Die Speichelersatzprodukte gibt es als Mundtrockenheit-Spray, das direkt in den Mund gesprüht wird und so die gesamte Schleimhaut und Zunge benetzt. Es existieren auch verschiedene Gels gegen Mundtrockenheit – oft in verschiedenen Geschmacksrichtungen – die im Mundraum verteilt werden müssen. Sie sind gut geeignet, um tagsüber bei akuter Mundtrockenheit den Speichel zu ersetzen, wenn ein Schluck Wasser nicht ausreicht. Allerdings hält die Wirkung nicht lange an, sodass die Produkte eventuell mehrmals täglich angewendet werden müssen. Für den Einsatz beim Schlafen sind sie weniger gut geeignet, da sie nicht so lange wirksam sind.

Hafttabletten


Einen anderen Ansatz bieten Hafttabletten. Dabei handelt es sich um kleine Pastillen, die auf einer Seite eine Haftschicht besitzen und so an der Schleimhaut haften bleiben. Sie werden mit dem Finger auf beiden Seiten über das Zahnfleisch zwischen Oberkieferzahnreihe und Wange geklebt.

Dort geben die Tabletten ihre Inhaltsstoffe an die Mundschleimhaut ab. Der Hauptwirkstoff ist auch hier Xylitol, was schädliche Bakterien in ihrem Stoffwechsel hemmt und so die Mundflora konstant hält. Da die Hafttabletten das Xylitol nur langsam absondern, können sie länger als Kaugummis oder Lutschtabletten eine konstante Konzentration im Mundraum aufrechterhalten. Das macht sie besser für die nächtliche Anwendung geeignet. Ein weiterer Inhaltsstoff der Hafttabletten ist Bikarbonat, ein natürlicher Puffer, der den pH-Wert im Mund konstant hält und schädliche Säuren neutralisiert.

Ein Mittel gegen Mundtrockenheit: Die Lutschtablette

Auch per Lutschtablette oder speziellem Bonbon können Sie den künstlichen Speichelersatz in Ihren Mund bringen. Normale Bonbons regen zwar ebenfalls die Speichelproduktion an, enthalten jedoch oft Zucker oder Süßstoffe, die das Bakterienwachstum und somit die Kariesentstehung fördern. Lutschbonbons zum Speichelersatz sind deshalb in der Regel zuckerfrei. Auch sie enthalten die oben genannten Wirkstoffe und geben diese langsam beim Lutschen an die Mundschleimhaut ab, sodass der Rachenraum feucht wird. Daneben gibt es Stäbchen zum Lutschen, die ebenfalls künstlichen Speichel abgeben. Sie enthalten oft Ascorbin- oder Apfelsäure, die den Speichelfluss anregt. Für kurzfristige Linderung der Mundtrockenheit sind diese Produkte gut geeignet, jedoch ist ihre Anwendung in der Nacht ebenfalls schwierig.

Kaugummi

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Beim Kauen eines Kaugummis werden Kau- und Mundbodenmuskulatur beansprucht. Der große Kaumuskel liegt in direkter Nähe zur Ohrspeicheldrüse, die er beim Kauen massiert und so deren Produktion stimuliert. Auch bei der Verwendung von Kaugummis sollte darauf geachtet werden, dass zuckerfreie Produkte gekaut werden, da sonst Zahnschäden verursacht werden können. Auch hier gibt es spezielle Kaugummis, die mit ihren Inhaltsstoffen – neben der mechanischen Speichelstimulation – eine Befeuchtung der Schleimhäute erreichen.

Medikamente gegen Mundtrockenheit

Den Speichelfluss anregen kann man auch über Medikamente in Tablettenform. Dabei werden Arzneimittel wie Pilocarpin oder Cevimeline eingesetzt. Sie imitieren die Wirkung des autonomen Nervensystems und docken an Rezeptoren der Speicheldrüse an, sodass diesen vorgegaukelt wird, sie müssten nun mehr Speichel produzieren.

Über die Blutbahn gelangen diese Medikamente gegen Mundtrockenheit auch zu anderen Organen, die vom autonomen Nervensystem gesteuert werden. Das zieht viele Nebenwirkungen nach sich, darunter Übelkeit, Durchfall, Schweißausbrüche, Ausschlag, Husten, Verminderung der Herzfrequenz oder Sehstörungen. Deshalb werden diese Medikamente gegen Mundtrockenheit nur in schweren Fällen eingesetzt, wenn Speichelersatz alleine nicht ausreicht – meist bei Menschen, die am Sjögren-Syndrom oder einer anderen Erkrankung der Speicheldrüse leiden. Da die Mundtrockenheit hier oft nur ein Symptom einer anderen Krankheit ist, sollte auch diese zugrunde liegende Krankheit stets behandelt werden.

Literatur

Für den detaillierten Literaturnachweis zu diesem Text sehen Sie sich bitte unsere Bibliographie an.

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