Folgen von Mundtrockenheit

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Belegte Zunge, Durst und kratziger Hals – klar, diese Folgen von Mundtrockenheit (Xerostomie) liegen auf der Hand. Wenn ein trockenes Gefühl im Mund aber dauerhaft anhält, können sich daraus auch ernsthafte Probleme entwickeln.

Brennende Zunge, trockener Mund, wundes Zahnfleisch: Beschwerden beim Reden und Essen

Der potentielle Großkunde sitzt gespannt im Konferenzraum und die folgende Präsentation entscheidet über den Auftrag: Wer da nervös vor der Tür die Powerpoint erneut durchgeht und auf einmal nur noch ein paar Krächzer herausbringt, ist in einer peinlichen Lage – aber nicht allein. Stress kann oft zu einem trockenen Mund führen, und eine der Folgen von Mundtrockenheit sind Probleme beim Sprechen.

Normalerweise wird über den ganzen Tag hinweg im Mund ständig eine kleine Menge Speichel abgegeben. Das hält die Mundschleimhaut feucht und fungiert so als Schmiermittel beim Sprechen und Schlucken. Wird zu wenig Speichel produziert – aus welchen Gründen auch immer -, trocknen Mund und Zunge aus. Das kann das Gefühl einer kribbelnden oder brennenden Zunge hervorrufen und auch beim Sprechen behindern. Stimmbänder, Kehlkopf und Zunge, die wichtigsten Bestandteile des Sprechens, arbeiten nicht mehr reibungslos zusammen, wenn die Schleimhäute nicht feucht genug sind. Zudem kann eine trockene Kehle Schluckbeschwerden hervorrufen: Ist der Mund- und Rachenbereich gut geölt, rutscht das zerkaute Essen fast von alleine hinunter. Bei trockenen Schleimhäuten funktioniert das nur zäh. Dadurch läuft man auch leichter Gefahr, sich zu verschlucken.

Auch, wenn man eigentlich genug getrunken hat, geht mit dem trockenen Mund oft Durst einher: Der Körper verbindet das Gefühl mit Wassermangel. Zusätzlich ist bei Mundtrockenheit meist die Zusammensetzung des Speichels verändert, sodass er unangenehm dickflüssig wird.

Die mangelnde Flüssigkeitsschicht auf den Mundschleimhäuten hat auch zur Folge, dass beim Kauen härterer Speisen Zahnfleisch, Wangen- und Gaumenschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen werden können – kleine Blutungen sind die Folge. Oft wird das mit Zahnprothesen zum Problem: Trockenes Gewebe wird durch den Druck leichter beschädigt und es bilden sich Wunden, die gerade beim Kauen extrem unangenehm sind. Die Wunden heilen auch schlechter, da bestimmte regenerierende Stoffe fehlen, die normal im Speichel enthalten sind.

Verminderter Geschmackssinn bei Mundtrockenheit

Speichel transportiert die Geschmacksstoffe aus Speisen und Getränken zu den Geschmacksknospen an der Zunge. Weniger Speichel führt oft dazu, dass die Stoffe nicht schnell genug und nicht in ausreichendem Maße zu den Sinneszellen gelangen. Deshalb klagen Menschen mit Mundtrockenheit häufig über verminderten und manchmal auch metallischen Geschmack im Mund. Da der Riech- und Geschmackssinn eng gekoppelt sind, kann es auch sein, dass das persönliche Riechempfinden subjektiv gestört ist.

Belegte Zunge, trockener Mund und Mundgeruch

© maksym yemelyanov / fotolia

In unserem Mundraum lebt eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien, die dabei helfen, den Mund sauber zu halten. Sie zersetzen kleine Nahrungsreste, Bestandteile des Speichels und tote Zellen aus der Mundschleimhaut. Diese Bakterien bilden die sogenannte Mundflora, die ein empfindliches Gleichgewicht ist – ob das richtige Verhältnis von verschiedenen Bakterien vorhanden ist, hängt unter anderem vom pH-Wert und den im Speichel enthaltenen Stoffen ab.

Daher kann als eine der Folgen von Mundtrockenheit eine Störung in der Mundflora auftreten. Schon durch kleine Veränderungen in Menge und Zusammensetzung des Speichels verändern sich die äußeren Umstände für die Bakterien. Dadurch sterben die einen ab, für andere wiederum sind die neuen Bedingungen optimal und sie vermehren sich. Diese neue bakterielle Flora wird meist als weiß-gelblich belegte Zunge sichtbar – ein Teppich aus unzähligen Bakterien.

Einige der von den Bakterien zersetzten Stoffe werden ausgeatmet. Die normale, gesunde Mundflora riecht für uns neutral. Verändert sich das Bakterienspektrum, verändert sich auch die Zusammensetzung der abgebauten und abgeatmeten Stoffe, da jede Bakterienart ein wenig anders arbeitet – und einige dieser Stoffe riechen unangenehm. Ein trockener Mund und Mundgeruch gehen dann Hand in Hand.

Unter den Keimen der Mundflora sind auch solche, die der Schleimhaut in Mund und Rachen schaden können. Normalerweise werden sie von den “guten” Bakterien in Schach gehalten. Wenn sie jedoch überhand nehmen, können sie zu einer Schleimhautentzündung oder im Extremfall sogar zu einer Pilzinfektion führen: Der zu den Hefepilzen gehörende Pilz Candida kann sich als Folge von Mundtrockenheit und schlechter Mundhygiene in der Schleimhaut ausbreiten, was zu ausgedehnten weißen Belägen führt. Solche Krankheiten werden zusätzlich dadurch begünstigt, dass die natürliche Barriere der Mundschleimhaut durch die Trockenheit geschwächt ist.

Auch Karies und Zahnschmerzen können Folgen von Mundtrockenheit sein

© petra vymazalova / ESSH

Bei Mundtrockenheit vermehren sich auch die Bakterien, die für die Kariesentstehung verantwortlich sind – namentlich vor allem Streptococcus mutans und verschiedene Milchsäurebakterien. Sie lagern sich am liebsten in Plaques an den Zahnhälsen an und bilden beim Abbau von Zuckermolekülen Säure, die den Zahnschmelz auflöst.

Das im Speichel enthaltene Molekül Bikarbonat kann Säure abpuffern und neutralisiert so in der normalen Mundflora die Säure der Kariesbakterien. Das sorgt für einen konstanten pH-Wert. Bei Mundtrockenheit steht weniger Bikarbonat zur Verfügung und die Kariesbakterien können den Zahnschmelz langsam auflösen. Außerdem ist dadurch der pH-Wert im Mund um einiges niedriger. In diesem sauren Milieu zersetzt sich der Zahnschmelz noch schneller.

Viele dieser Folgen von Mundtrockenheit können Betroffene durch eine gute Mund- und Zahnhygiene oder andere einfache Maßnahmen vermeiden. Doch alleine damit ist es oft nicht getan, gerade bei chronischer Mundtrockenheit bieten sich auch Produkte an, die den Speichel anregen oder ersetzen.

Literatur

Für den detaillierten Literaturnachweis zu diesem Text sehen Sie sich bitte unsere Bibliographie an.

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